Wie Führungskräfte disruptive Chancen in ihrer Branche erkennen können

23 August 2021

„Disruptoren müssen nichts Neues erfinden, sie müssen nur eine praktische Anwendungen für neue Entdeckungen finden.“– Jay Samit

Was ist Disruption eigentlich? Und welche Rolle spielen dabei Innovation und Technologie? Obwohl sich die Bedeutung des Begriffs „Disruption“ dahingehend verändert hat, dass er praktische jede Marke, jedes Produkt oder jede Technologie umfasst, die etwas anders macht als bisher, geht es bei der wahren Disruption weniger um Unternehmensziele, sondern viel mehr um Innovationen, die Disruption bewirken.

Innovative, disruptive Technologien sind revolutionär. Sie gestalten Lösungen um, die als „bessere Mausefalle“ bezeichnet werden könnten, oder erfinden diese sogar neu. Die bekannten Disruptoren Airbnb, Apple, Netflix und Twitter, haben die Hotel-, Technologie, Unterhaltungs- und Nachrichtenbranchen revolutioniert. Durch ihren Ansatz haben sie die Art und Weise verändert, wie wir leben und wie wir die Welt heute sehen.

Sind alle innovativen Disruptoren gleich?

Gibt es ein Geheimrezept für erfolgreiche Disruption? Nicht wirklich. Obwohl jeder Innovator auf seine Weise Disruption erreicht, geschieht das bei den meisten durch die Einführung neuer Technologien, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und den Einsatz bestehender Technologien auf komplett neue Weise. Dabei stellen Sie die jeweilige Branche auf den Kopf und können sogar marktführenden Unternehmen gefährlich werden.

Innovative Disruptoren haben etwas gemeinsam:

Sie erkennen Verbrauchertrends noch bevor diese Mode werden. Im Bereich der persönlichen Fotografie hat Fuji die Trends erkannt, während Kodak auf der Strecke blieb.

Sie konzentrieren sich in der Regel auf kleinere Märkte (Paywall) und weniger auf Expansion und Profite. Sie bieten bestimmten Marktsegmenten eine einzigartige Lösung, die das Leben einfacher und besser macht. Twitter ist als Nischen-Community gestartet. Zu Beginn haben hier Menschen Kurznachrichten an Freunde und Familie gesendet. Mittlerweile ist Twitter ein umfassendes Informationsnetzwerk und für viele Menschen eine beliebte Nachrichtenquelle.

Sie verändern Geschäftsmodelle, um ihre Innovationen zu unterstützen. Netflix beispielsweise ist nicht als Home-Streaming-Anbieter auf den Markt gekommen. Zu Beginn wurden DVDs verschickt, dann wurde Netflix zu einem Anbieter für den Filmverleih und schlussendlich eine Online-Unterhaltungsplattform. Das Geschäftsmodell hat sich im Laufe der Zeit mehrmals verändert, schließlich mussten sie dafür sorgen, dass die Kunden lieber auf die On-Demand-Plattform zurückgreifen als zum nächsten Videoverleihshop zu laufen.

Sie motivierten Hardcore-Fans, sie auf dem Weg zum Mainstream zu unterstützen. Gibt es eingefleischtere Fans als jene von Apple? Apple-Fans lieben nicht nur die Produkte der Marke, sie brennen für die Marke, eine Leidenschaft, die nur wenige Unternehmen bei ihren Kunden wecken können. Wie hat Apples das erreicht? Durch die Innovation von bestehenden Technologien und einen psychologischen Verkaufsansatz, der die Wünsche der Kunden geweckt hat.

Gemeinsamkeiten disruptiver Technologien

Alle disruptiven Technologien verändern die Art und Weise, wie Menschen leben und wie Unternehmen handeln, wesentlich. Zu den aktuellen Beispielen zählen Fahrdienst-Apps wie Lyft und Uber (auch wenn einige der Meinung sind, dass Uber die Disruptor-Ansprüche nicht erfüllt), E-Commerce-Seiten wie Amazon und Shopify, sowie 3D-Druck.

Andere Branchen, die durch innovative Technologien transformiert wurden, sind die Software- und Einzelhandelsbranchen (wie Salesforce), die von der Gesichtserkennung bis zur virtuellen Realität und Robotertechnik alle Technologien einsetzen, mit denen die Kundenerfahrung verbessert werden kann.

Unabhängig von der Branche, haben alle disruptiven Technologien fünf Dinge gemeinsam:

  • Sie existieren Seite an Seite mit bestehenden Technologien, beseitigen Silos und verändern etablierte Prozesse.
  • Sie funktionieren nahtlos und können so einfach angepasst werden, dass man das Gefühl hat, es hat sich nichts Wesentliches verändert.
  • Sie können in mehreren Abteilungen schnell umgesetzt werden.
  • Sie generieren Umsätze.
  • Sie reduzieren die Kosten bei Beibehaltung der Funktionalität.

Sehen wir uns drei aktuelle disruptive Technologien an, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, aber diese Dinge trotzdem gemeinsam haben.

Video-Streaming

Netflix hat den Anfang gemacht, aber zwei Jahrzehnte später gibt es weitere Streaming-Anbieter wie Hulu, Prime Video, YouTube und HBO. Auf Plattformen wie Google Play, iTunes und Vudu könne Filme und TV-Shows ausgeliehen werden. Redbox bietet Online-Streaming-Dienste und DVD-Verleih an. All diese innovativen Streamingdienste haben sich vom unteren Ende des Marktes entwickelt und sind mittlerweile kostengünstige Möglichkeiten genau das zu tun, was Menschen schon seit Jahrzehnten machen: nämlich Shows und Filme zuhause ansehen. Diese Anbieter verändern auch die Art und Weise wie Unterhaltung produziert wird. Sie haben neue Modelle für die Produktion von Inhalten eingeführt und eigene Produktionsfirmen gegründet, um die Inhalte für ihre Seite selbst zu produzieren.

Software

Genauso wie Netflix die Art und Weise verändert hat, wie Menschen Unterhaltung genießen, genauso wird Salesforce als der ultimative Disruptor in der Softwarebranche gesehen. Die Vision des Unternehmens, Software in die Cloud zu verlagern, hat Software plötzlich in einer globalen Cloud-Infrastruktur für jedermann, jederzeit verfügbar gemacht. Die SaaS-Lösung von Salesforce ist einfach anzuwenden und wird von Verkaufs-, Marketing- und Finanzteams der großen Player wie Spotify, Amazon Web Services und U.S. Bank erfolgreich eingesetzt. Die Unternehmen müssen nicht länger für sperrige, teure und komplizierte, stationäre Lösungen Geld ausgeben, die zudem noch ständig aktualisiert werden müssen. Die Software fördert die Kundenbindung und steigert die Umsätze, weil jeder potentielle Lead gepflegt wird, um das Verkaufspotential zu erhöhen.

Einzelhandelstechnologie

Obwohl die Einzelhandelstechnologie in der Digitalisierungsbranche noch relativ jung ist, schreitet der digitale Fortschritt in dieser Branche schneller voran, als man denken könnte. Die technologischen Änderungen sind eine direkte Reflektion der veränderten Kundenpräferenzen und des veränderten Kundenverhaltens. Die Automation von Kundendienst, Voice-Shopping und -Zahlungen und der automatisierte Checkout bieten eine schnellere und einfachere Möglichkeit des Einkaufs. Einzelhändler verwenden zudem bestehende Technologien wie Kameras und Vorschauanalysen, um den Kunden ein nahtloses und reibungsloses Einkaufserlebnis zu garantieren.

Disruptionsmöglichkeiten in Ihrer Branche erkennen

Als führendes Startup mit dem Ziel Disruption im Einzelhandel zu erzielen, habe ich viel gelernt und weiß was nötig ist, um die Branche grundlegend zu verändern. Worauf muss man achten, wenn man eine Branche revolutionieren will:

  • Unterschied zwischen Herausforderer und Disruptor verstehen. Netflix, Uber und Apple haben als Herausforderer begonnen, haben sich im Laufe der Zeit aber zu Disruptoren und Leadern entwickelt. Für Herausforderer muss der Keim der Disruption im Business Plan enthalten sein.
  • Man muss akzeptieren, dass fortlaufende Innovation und eine stete Führungsposition erforderlich sind, um den Disruptorstatus zu erhalten.
  • Man muss ein disruptives Mindset entwickeln, indem man positiv auf Veränderungen blickt und den Prozess des Erreichens eines neuen Status Quo genießt.

Disruption heißt nicht, Dinge anders tun und dennoch das gleiche Ergebnis erzielen. Wenn man die Welt verändern will, muss man die Art und Weise, wie man selbst und andere denken und auch die Art und Weise, Pläne umzusetzen, überdenken. Man muss sich mit den „in Stein gemeißelten“ Praktiken der Branche befassen und die Kunst des Möglichen neu definieren. In anderen Worten, man muss bereit sein, einen Störfaktor zu generieren und dabei mutig sein.

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