Datengesteuerter Einzelhandel: Eine Vision für das Geschäft der Zukunft

18 April 2023

Wenn wir uns einen Supermarkt der Zukunft vorstellen, sehen wir möglicherweise eine Reihe von elektronischen Regaletiketten, smarte Einkaufswägen und umherstreifende Roboter. Der Lebensmitteleinzelhandel ist geprägt von zahllosen Störfaktoren im Wettlauf um die Lösung seiner wichtigsten Schwachstellen, von langen Warteschlangen und fehlenden Artikeln in den Regalen, bis hin zu Arbeitskräftemangel und Herausforderungen in der Lieferkette. 

Die rasante Zunahme von E-Commerce hat in den letzten Jahren zu einer Verschiebung der Rolle physischer Geschäfte geführt. Der Standard reicht für den alltäglichen Einkauf nicht mehr aus. Stationäre Geschäfte profilieren sich als Orte, die ein Einkaufserlebnis und Unterstützung und Hilfe durch die Mitarbeiter bieten, und an denen Waren sofort erhältlich sind. Immer mehr Geschäfte setzen auf Komfort und Geschwindigkeit, um den Erwartungen der Kunden in der neuen, digitalen Realität gerecht zu werden.  

Innovation bedeutet vorausschauend handeln. Für Einzelhändler bedeutet das, sie müssen erkennen, was ihre Kunden brauchen, noch bevor es die Kunden selbst realisiert haben. Einzelhändler müssen erkennen, wie der Einzelhandel der Zukunft aussehen könnte, um in genau die transformative Technologie zu investieren, die ihnen einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen kann. 

Welche Technologie wird sich durchsetzen, welche scheitern?

Wie können Einzelhändler in einem mit neuen Technologien überfluteten Ökosystem bewerten, welche Technologien zu einer Transformation führen und welche überflüssig sind? In anderen Worten, in welche Innovationen soll investiert werden?

Technisch versierte Einzelhändler setzen auf Einfachheit. Laut CTO Sinanudin Omerhodzic von Aldi Nord ist Technologie das Mittel der Wahl, um Kunden glücklicher zu machen. 

Als Mitarbeiter bei einem marktführenden Discounter, stehen Herr Omerhodzic und sein Team vor der Herausforderung, Innovationen im Hinblick auf die Optimierung der Abläufe voranzutreiben, und dabei gleichzeitig die Kosten im Auge zu behalten. In seiner Rede auf der EuroShop 2023 sagte er: „Es liegt in unserer Verantwortung dafür zu sorgen, dass die Technologie das Leben unserer Kunden vereinfacht, sich andererseits aber nicht negativ auf unsere Kosten und die Produktpreise auswirkt. Unser Geschäftsmodell basiert auf Preisführerschaft.“

Herr Omerhodzic und sein Team nutzen Technologie, um die Abläufe im Geschäft zu verbessern, die Produktverfügbarkeit zu optimieren, Kosten zu reduzieren und Nachhaltigkeit zu fördern. Aldi Nord war einer der ersten Einzelhändler, der seine Filialen durch den Einsatz von Automatisierung und reibungslosen Checkout-Technologien in smarte Geschäfte umwandelte. Im Jahr 2022, eröffnete der marktführende Discounter sein erstes, völlig autonomes, Trigo-betriebenes Geschäft in Utrecht, Niederlande. 

Laut Experten schreitet Innovation grundsätzlich in drei Kanälen voran: Automatisierung, datengestützte Entscheidungen und fortschrittliche Erfahrungen. In einer durch die Zunahme von KI-Anwendungen geprägten Welt gehen Automatisierung und datengesteuerte Entscheidungen und Abläufe Hand in Hand. Da Datenanalysen und künstliche Intelligenz immer ausgefeilter werden, sind Lebensmittelgeschäfte in der Lage, durch individuelle Produktempfehlungen und personalisierte Werbeaktionen und Rabatte auf den Kunden angepasste Einkaufserlebnisse anzubieten.

Während sich Automatisierung und datengesteuerter Einzelhandel darauf konzentrieren, Reibungsverluste im physischen Einzelhandel nahtlos zu beseitigen, führt die zunehmende Konzentration auf erlebnisgesteuerten Einzelhandel das Geschäft der Zukunft in unerwartete Richtungen. Mert Damlapinar, Director of E-Commerce Strategic Insights and Tech Products bei L’Oréal, erklärte kürzlich gegenüber MIT Sloan seine transformative Vision für das Geschäft der Zukunft. Er ist überzeugt, dass hochauflösende interaktive Displays physische Produkte ersetzen werden, etwa so, wie wenn man einen Katalog im Metaversum betreten würde, und nur ein Bruchteil des Geschäfts wird aus Einkaufsgängen bestehen. Die restliche Fläche entfällt auf Fulfillment-Center, die Einkäufe im Geschäft und online unterstützen. Letzteres ist nicht so futuristisch, wie man glauben könnte. Whole Foods und Amazon Fresh nutzen bereits einige Geschäfte als Mikro-Fulfillment-Center, ebenso wie BestBuy. 

Laut Damlapinar wird der Großteil des Geschäfts auf Erlebnis ausgerichtet sein, darunter auch Freizeitaktivitäten, die alle darauf abzielen, das Engagement und den Lifetime-Wert des Kunden zu steigern und die Markentreue zu stärken.

In einem aktuellen IGD-Bericht wurden fünf Schlüsseltechnologien identifiziert, die den Einzelhandel im Jahr 2023 und darüber hinaus prägen werden. Dies sind: 

  1. Automation: Kassenlose und hybride Checkout-Konzepte, smarte Verkaufslösungen, KI-Waagen und robotergestützte Abläufe wie das Regalmanagement.
  2. KI-gesteuerte Erkenntnisse: Erfassen von Daten für eine bessere Preisgestaltung, Kostensenkung, Optimierung der Betriebsabläufe und Verbesserung der Kundenerfahrung und Personalisierung.
  3. Cyber-Sicherheit: Je mehr sich der datengesteuerte Einzelhandel durchsetzt, desto wichtiger werden Investitionen in die Datensicherheit und Datennutzung.
  4. Web 3.0: Das Metaversum für den erlebnisorientierten Lebensmitteleinkauf, von der visuellen Suche bis hin zu nahtlosen Zahlungen und Personalisierung. 
  5. Investitionen in digitale Infrastruktur: Cloud-Computing, umweltfreundliche Rechenzentren und Konnektivität, um alles voranzutreiben, von intelligenter Preisgestaltung bis hin zu Reinigungsrobotern, die gleichzeitig als Flotte für die Betriebsabläufe fungieren. 

Die Auswirkungen datengesteuerter Abläufe im Einzelhandel

„Während meiner Arbeit bei Aldi Nord werde ich oft gefragt, welche Technologie den Einzelhandel verändern wird“, sagte Herr Omerhodzic kürzlich. Um ehrlich zu sein, denke ich nicht, dass die Technologie den Einzelhandel revolutionieren wird. Es sind die Daten. Wir versuchen ständig Wege zu finden, alle Abläufe von A bis Z entlang der Wertschöpfungskette zu automatisieren und effizienter zu machen. Dabei stützten wir uns bei der Entscheidungsfindung auf Daten. Wir versuchen herauszufinden, wie unsere Produkte von A nach B gelangen, damit wir diese Wege durch bestimmte Technologien optimieren und automatisieren können.“

In einem aktuellen Google Cloud- Bericht mit dem Titel„Transforming food, drug, and mass merchant retail with AI“ sagen die Autoren voraus, dass die 2020er Jahre, nach einem Jahrzehnt, in dem mobile Innovationen im Einzelhandel im Vordergrund standen und der Fokus auf Omnichannel-Erlebnissen lag, das Jahrzehnt der KI-gestützten Erfahrungen und Prozesse sein wird. Die Forscher haben entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Einzelhandels 75 Anwendungsfälle identifiziert, in denen KI/ML einen Mehrwert für Einzelhändler schaffen oder steigern können. In allen Fällen besteht der Mehrwert in der „Lösung alter Probleme auf neue Weise.“ 

Die Vision von Google Cloud über das Geschäft der Zukunft umfasst erstklassige Aktivitäten wie personalisierte Werbeaktionen und Empfehlungen, KI-gesteuerte Treueprogramme, smartere Kommissionierung, intelligente Preisgestaltung und die Optimierung von Bestand/Sortiment, bis hin zu datengesteuerter und KI-basierter Logistik im Hintergrund. 

Der reibungslose Checkout wurde dabei als Indikator mit dem größten Wert für Einzelhändler identifiziert, mit einem geschätzten Wert von bis zu 98 Milliarden USD im Jahr 2023*. Durch den Einsatz von Computer-Vision-Systemen und Datenanalysen für einen kassenlosen Checkout, können Einzelhändler den Arbeitsaufwand in den Geschäften reduzieren oder verteilen, ein besseres Einkaufserlebnis bieten und die Überwachung der Betriebsabläufe verbessern und rationalisieren, um die Effizienz zu steigern. Durch die Erfassung von Daten bezüglich der Kundenaktionen und der gekauften Produkte, gewinnen Einzelhändler wichtige Einblicke. Der reibungslose Checkout ist zwar technisch komplex, birgt aber ein hohes Wertepotenzial.

smartes Geschäft

Datengesteuertes Fallbeispiel: Aktienprognosen

Im gleichen Atemzug wie lange Warteschlangen, werden auch fehlende Artikel oft als größte Schwachstelle im Lebensmitteleinkauf zitiert. Viele Einzelhändler investieren in innovative Technologien für die Vereinheitlichung und Optimierung der Lagerverwaltung, um die Kosten zu senken und das Fehlen von Produkten zu vermeiden. Durch die Installation einer Technologie, die umfassende und vollständige Daten liefert, können Einzelhändler auf ein datengesteuertes, vorausschauendes Produktmanagement vertrauen. 

Computer-Vision-Technologien, wie jene, die einen kassenlosen Checkout ermöglichen, erstellen eine digitale Kopie des Geschäfts und bieten somit einen Überblick über die vorhandenen Bestände und die Regalverfügbarkeit in Echtzeit. Planen Sie die Bestandsmengen für die Verkaufsfläche basierend auf einem akkuraten Überblick über die im Geschäft vorhandenen Produkte und die Vorlieben Ihrer Kunden. Verbessern Sie den Lagerumschlag und reduzieren Sie gleichzeitig Abfälle und Betriebskosten. Transformieren Sie den Echtzeitüberblick über Ihre Regale in verwertbare Einblicke, um die Prozesse und Abläufe fortlaufend zu modernisieren.

„Darin verbirgt sich ein immenses Optimierungspotenzial,“ meint Herr Omerhodzic. „Damit kann die gesamte Lieferkette möglichst effizient gesteuert werden, um zu verstehen, wie viele unserer Kunden morgen in das Geschäft kommen und welche Produkte sie kaufen werden – sogar die verschiedenen Sorten, Joghurt mit Zitrone oder Joghurt mit Erdbeere. Wenn man die Kundenwünsche im Voraus kennt, kann man die gesamte Lieferkette darauf ausrichten und die Effizienz um ein Vielfaches steigern.“

 

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